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Geisteswissenschaften

»Was ist der einfachste Weg Steuern zu sparen?«, witzelten wir als Studenten eines vorgeblich auf Wertschöpfung vorbereitenden Studiengangs, »ein geisteswissenschaftliches Studium.« Eine vermeintlich lustige Provokation, die allerdings verkennt, dass erst die benachbarten Geisteswissenschaften der restlichen Universität ihre Ausstrahlung verschaffen: Das Studium von Mikroökonomie, Thermodynamik oder Anatomie mag intellektuell anspruchsvoll sein. Die Weltläufigkeit aber, die der Universität ihre Aura gibt, kommt aus den Nachbarräumen, in denen mit Detailverliebtheit Muster in untergegangenen Sprachen analysiert, altertümliche Philosophen in die Gegenwart geholt und Theorien über die Auslegung vieldeutiger Texte entwickelt werden.

Weltläufigkeit ist der Beitrag der Geisteswissenschaften zur Universität [1] und diese Weltläufigkeit gibt es nicht leistungslos, sie muss produziert werden: Dafür müssen die Geisteswissenschaften etwas tun, das interessant ist, sodass man sich neidvoll wünscht, man könne dem auch so viel Zeit widmen, gestützt auf ein beeindruckendes Wissen, wie man es Geisteswissenschaftlern unterstellt, doch leider befinde man sich ja auf einem deutlich profanerem Lebensweg.

Doch womit beschäftigen sich Geisteswissenschaften heute? »Gender Studies«, Sprache in sozialen Medien und »Postcolonial Studies«. Das sind Themen, die zwar vermeintlich politischen Präferenzen folgen und mit Drittmitteln reichlich belohnt werden, aber schlicht nicht interessant sind. Eine Weltläufigkeit, die auf den Rest der Universität abstrahlt, produzieren solche Geisteswissenschaften nicht mehr. Und vielleicht ist diese uninteressante Schwerpunktsetzung auch der Grund, warum sich immer weniger Studenten für geisteswissenschaftliche Fächer finden.

Geschrieben im September 2026 | Kategorie: Betrachtungen