Abstrakte Daten
Überall sind heute Daten. Dabei ist mit »Daten« selten die unmittelbare und eindeutige Repräsentation von Tatsächlichem in Zahlen gemeint (beispielsweise »wie viele Schrauben eines bestimmten Typs liegen im Lager?«), stattdessen geht es gewöhnlich um abstrakte Konstrukte. Selbst begrifflich vermeintlich Eindeutiges offenbart sich häufig als Konstrukt (das vermeintlich eindeutige »wie viele Termine wurden pünktlich eingehalten?« wird beispielsweise konstruiert über die Festlegung von »welche Toleranz wird noch als pünktlich akzeptiert?« und »was genau muss erledigt sein?«).
Das verschiebt die epistemologische Herausforderung: Die Interpretationsprobleme liegen dann weniger in der mathematischen Verarbeitung der Daten als vielmehr im Verstehen der Abstraktionen, die ihnen zugrunde liegen. Nur wer die Abstraktionen durchdrungen hat, kann aus den Daten überhaupt noch auf Tatsächliches bezogene Erkenntnisse ziehen. Oder noch extremer: Die vermuteten Erkenntnisse aus Daten auf Plausibilität überprüfen kann nur noch, wer das zugrundeliegende, abstrahierte Tatsächliche genauestens kennt und längst schon abschließend interpretiert hat.
Das führt zu einer absurden Situation: Mit Daten etwas anfangen kann dann nur, wer sie eigentlich nicht braucht.