Schule
Schule ist ein Ort der verpassten Gelegenheiten. Das begreift man allerdings erst sehr viel später: Niemals wieder wird es einem so leicht gemacht werden, sich so viele Fähigkeiten aus einem so breiten Spektrum so spielend leicht anzueignen. Als Schüler hat man aber eben anderes zu tun. Vieles erlernt man später im Leben, dann mit deutlich mehr Aufwand (Rechtschreibung, Sprachen), manches hat man vermutlich für immer verpasst.
Es gibt in der Pädagogik – wie mittlerweile überall – den Anspruch, die Menschen, hier also Schüler, da abzuholen, wo sie sind. Mir ist das zuwider. Gerade für potentielle Bildungsaufsteiger ist Schule womöglich der einzige Ort, an denen sie Spuren einer Welt entdecken können, von deren Existenz sie ansonsten nicht einmal etwas ahnen würden. Eine Schule, die ihren Stoff an den vermuteten Interessen eines durchschnittlich begabten Jugendlichen ausrichtet (kurze Texte aus vermeintlich für Jugendliche interessanter Literatur?), ermöglicht so etwas nicht. Nur eine Schule, die ihre Schüler überfordert, lässt sie auch die Existenz dieser anderen Welt, der von Goethe und Schiller, von Mathematik und Naturwissenschaften, erkennen. Auch verpasste Gelegenheiten sind eben entweder solche mit Niveau oder ohne. Und sie sind Spuren auf Lebenswegen, die einen später zu sehr unterschiedlichen Orten führen werden.